Streifzug durch Spaniens Natur- und Nationalparks
Spanien besitzt nicht nur grossartige Kulturgüter, wunderschöne Strände und eine ausgezeichnete Gastronomie, sondern auch unzählige Naturschönheiten. Neben vielen Meeresreservaten, National- und Naturparks gibt es auf dem Festland und den Inseln über 30 Biosphärenreservate. Damit steht das Land weltweit an dritter Stelle. Die Besucher erwarten grossartige Landschaften, einzigartige Spezies in Flora und Fauna, Informationszentren sowie eine ganze Reihe von Aktivitäten. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, diese Naturräume kennen zu lernen, bietet das Wandern. Möglich sind aber auch Fahrradtouren, Kanufahrten oder Reitausflüge in den Reservaten.
Der Nationalpark «Picos de Europa», heute ebenfalls als Biosphärenreservat ausgezeichnet, ist der erste Naturraum Spaniens, der als Nationalpark eingetragen wurde (1918). Die «Picos» werden von drei grossen Gebirgsstöcken gebildet. Das Klima ist durch Feuchtigkeit und häufige Niederschläge gekennzeichnet, wofür die Nähe zum Meer (20 Kilometer entfernt) verantwortlich ist. Vor allem im Winter sind die Hänge und Gipfel mit Schnee bedeckt. Innerhalb der Grenzen des Parks gibt es 200 Gipfel mit mehr als 2000 m Höhe. Im Macizo Central sind die höchsten Berge des Parks zu finden, das Macizo Occidental ist das grösste Gebirgsmassiv. Hier liegen die berühmten Seen von Covadonga. Durch den Park fliessen vier Flüsse, die tiefe Einschnitte gebildet haben: die Schlucht von Hermida, durch die der Deva fliesst, der «Desfiladero de los Beyos» des Flusses Sella, die «Garganta Divina», durch die sich der Fluss Cares seinen Weg bahnt und die Klamm «La India» des Flusses Duje. Ferner gibt es im Park zahlreiche Aussichtspunkte, von denen aus man die Landschaft bewundern kann.
Rückzugsgebiet für Wasservögel in den Rías Baixas
Der Nationalpark «Islas Atlánticas» liegt in der Provinz Pontevedra und umfasst die Inseln Cíes, Ons, Cortegada und Sálvora, die alle zu den galicischen Rías Baixas gehören. Ein Wasser-Land-Ökosystem, das sich durch seine grosse Wasservogelkolonie auszeichnet. Der Zugang zu den Cíes-Inseln, mit dem Schiff ab Vigo, Baiona und Cangas, ist auf maximal 2200 Personen pro Tag beschränkt. Die Insel Ons erreicht man von Sanxenxo-Portonovo, Marín und Bueu aus. Die Besucher erwartet ein Informationszentrum auf den Ciés-Inseln sowie eine Informationsstelle auf Ons. Von Salvora aus gibt es keine regelmässige Landverbindung. Die Insel Cortegada liegt vor der Ortschaft Carril im Meeresarm von Arosa.
«Monfragüe»: Naturweiden und mediterrane Wälder
Die Provinz Cáceres in der Extremadura besitzt eine Vielzahl verschiedener Ökosysteme von hohem Naturwert. Besonders zu erwähnen sind die mediterranen Wälder, die Felsen und die Naturweiden. Der Nationalpark von Monfragüe bietet fruchtbare Uferlandschaften an Flüssen und Stauseen. Ausserdem gibt es hier die weltweit grösste Kolonie von Mönchsgeiern (über 200 Pärchen), die meisten Steinadler (über 10 Pärchen) und Monfragüe ist eines der wenigen Habitate, in denen man noch heute iberische Luchse findet.
Von den ersten Bewohnern dieser Gegend erzählen die Höhlenmalereien in der Burghöhle («Cueva del Castillo»). Die Burg von Monfragüe, die in der Zeit der Maurenherrschaft entstand, beherrscht einen beeindruckenden Felsen, der sich majestätisch über dem Fluss Tajo erhebt. Einen Besuch wert sind auch die mittelalterliche Kardinalsbrücke («Puente del Cardenal») und das Dorf Villarreal de San Carlos. In der Umgebung warten ausserdem reizvolle Städte wie Plasencia, Trujillo und Cáceres.
Villarreal de San Carlos ist das Eingangstor des Nationalparks von Monfragüe und verfügt über ein Besucherzentrum sowie ein Lehr- und Informationszentrum für den Bereich Land und eines für den Bereich Wasser. Verschiedene Ausstellungen, Projektionen und Workshops vermitteln den Besuchern Kenntnisse über den Naturwert des Parks. Auf verschiedenen Wanderwegen haben sie die Möglichkeit, die charakteristischsten Stellen dieses Biosphärenreservats kennen zu lernen.
Die «Coto de Doñana»
Eines der wohl bekanntesten Biosphärenreservate ist der Doñana-Nationalpark in Andalusien. Hier, im morastigen Mündungsgebiet des Río Gudalquivir, ist die Vegetation von verschiedenen Ökosystemen bestimmt – unberührte Strände, Wanderdünen, sandige Böden, Galeriewälder, Marschland, Lagunen. Darauf gründet auch die biologische Artenvielfalt in diesem Gebiet. Der Doñana-Nationalpark beherbergt eine Vielzahl von Tierarten, vor allem viele Wasservögel, Zugvögel, Wanderfalken, Kaiseradler, Störche, Fischreiher und Eulen, aber auch Hirsche, Luchse, Füchse, Dachse, Otter, Schildkröten und Eidechsen. Um den Nationalpark besser schützen zu können, wurde zusätzlich der Naturpark «Entorno de Doñana» geschaffen, der sich über die Provinzen Huelva, Sevilla und Cádiz erstreckt. Fünf Besucherzentren stehen für Informationen bereit und organisieren geführte Ausflüge und Ausstellungen.
Sierra Nevada
Dieser Park vereint Schönheit und ökologische Bedeutung. 1986 wurde er von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt. Er erstreckt sich vom Südwesten Granadas bis zum Ostrand der Provinz Almería. Es gibt flachere, aber auch sehr zerklüftete Gebiete. Dort befinden sich auch die höchsten Gipfel der Iberischen Halbinsel, der Mulhacén und der Veleta. Die Landschaft glazialen Ursprungs ist mit ihren Wäldern und Bereichen mit unterschiedlichem Bewuchs von ausserordentlicher Schönheit. Der Wasserreichtum ist ein weiteres Merkmal. Zahlreiche Mineralquellen entspringen hier. Fünfzehn Gipfel sind über 3000 Meter hoch. Von den mehr als 2000 Pflanzenarten sind 66 endemisch. Das Tierreich ist mit Amphibien, Reptilien, Säugern und Vögeln vertreten. Das charakteristischste Tier des Parks ist der Iberiensteinbock.
«Tablas de Daimiel» – ein Vogelparadies
Dieser Nationalpark in der südlichen Mancha beherbergt ein eigentümliches und einzigartiges Ökosystem, sogenannte Sumpfseen. Die «Tablas de Daimiel» entstanden an jener Stelle, an der die Flüsse Guadiana und Cigüela zusammenfliessen, wobei die Geländeverflachung die Bildung von Sumpfseen erleichtert hat. Diese Sumpfseen liegen an einer von zahlreichen Zugvögeln benützten Route. Die Vögel nutzen dieses Gebiet als Zwischenstation oder verbringen den gesamten Winter hier. Man findet Haubentaucher, Taucher, Ohrentaucher, Fischreiher, Kuhreiher, Nachtreiher und verschiedene spanische Entenarten. Im Gewässer der «Tablas de Daimiel» gedeihen zudem zahlreiche Wasserblumen. Diese wachsen zum Teil unter Wasser (beispielsweise Raues Hornblatt oder Seegras), sind schwimmende Pflanzen (Wasserlinsen) oder ragen aus dem Wasser (Binsenschneide, Schilfrohr und Spanisches Rohr). Den Park erreicht man von Ciudad Real aus über die N-420 und von Manzanares aus über die N-430. Elf Kilometer vor der Ortschaft Daimiel nimmt man die gekennzeichnete Abzweigung bis zum Informationszentrum des Parks.
Menorca: Schluchten, Höhlen, Feuchtgebiete
Die Vielzahl und Vielfalt der natürlichen Lebensräume auf Menorca führte dazu, dass die Unesco die Insel 1993 zum Biosphärenreservat erklärte. Schluchten, Höhlen, Feuchtgebiete, kleine Inseln, Dünen und Strände sind die Heimat zahlreicher Spezies, von denen einige nur auf dieser Insel zu finden sind. Der Süden Menorcas zeichnet sich durch seine zahlreichen Schluchten (etwa 40) aus, das ideale Habitat für über 200 verschiedene, darunter 26 endemische, Spezies. Ausserdem sind durch die maritime Erosion sowohl auf der Insel selbst als auch im Meer zahlreiche Höhlen entstanden. An der Küste bilden Teiche, Marschland und Lagunen Feuchtgebiete wie den Naturpark S´Albufera des Grau, der auch zum besonderen Vogelschutzgebiet erklärt wurde. Ganz Menorca befindet sich in perfekt erhaltenem Zustand, besonders deutlich wird dies jedoch auf den kleinen umliegenden Inseln (Aire, Porros, Colom etc.). Weil dort keine Menschen leben, konnten zahllose Tiere ihren Lebensraum finden. Die Strände und Buchten sind von weissem Sand und klarem Wasser geprägt, in dem man eine interessante Wasserflora und -fauna vorfindet. Die Seegraswiesen (Posidonia oceánica) sind ein wichtiger Hinweis auf den hervorragenden Zustand dieses Lebensraums.
Lanzarote – die Feuerinsel
Lanzarote wurde 1993 von der Unesco zusammen mit dem nördlich vorgelagerten Chinijo-Archipel zum Biosphärenreservat erklärt. Im Lauf der letzten Jahrzehnte wurden zudem weite Teile Lanzarotes mit seinen 100 Vulkanen und mindestens 300 Kratern unter Naturschutz gestellt – insgesamt 41 Prozent der Inselfläche. Besonders streng gehütet ist der Nationalpark Timanfaya mit den Feuerbergen. Andere wichtige Schutzgebiete sind der Monte Corona, die Ajaches, die Steilküste von Famara und die Reserva Marina um La Graciosa. Insgesamt existieren auf Lanzarote 13 Naturschutzzonen. Als Naturschönheit bietet die Insel tatsächlich Unvergleichliches. Neben den immensen Ausdehnungen, entstanden aus unterschiedlichen Lava-Arten (zu finden im Naturschutzpark Timanfaya und im Malpais de La Corana), trifft man auf einzigartige Meeres- und Küstengegenden, wo eine Vielzahl verschiedener Arten der Tier- und Pflanzenwelt zusammenleben. Fauna und Flora haben sich im Lauf ihrer Entstehung perfekt an die Umwelt der Insel angepasst. 17 Prozent der Pflanzen, 60 Prozent der Nistvögel, 40 Prozent der Insekten sowie 100 Prozent der Reptilien sind endemisch, das heisst weltweit einzigartig.
Uralte Natur auf La Gomera
Der Nationalpark Garajonay auf der Insel La Gomera unterscheidet sich von den übrigen der Kanarischen Inseln. Hier herrscht nicht die übliche Vulkanlandschaft vor, sondern die fast immer vom Nebel umhüllte Bewaldung mit Laurisilva-Lorbeer. Ein Gang durch Garajonay ist aufgrund der dortigen unberührten Natur wie eine Reise in die Vergangenheit. Eine Gegend, wo sich Erde und Wolken berühren, wo die ständige Feuchtigkeit und der sogenannte «horizontale Regen» eine dichte, üppige Vegetation hervorbringen. Der grösste Teil des Parks besteht aus Wald, den vor allem Spezies wie Laurisilva, Baumheide, Mocanbäume und Erdbeerbäume bilden. Zahlreiche Vogelarten und zwei Reptilien, die Kleine Kanareneidechse (Gallotia galloti gomerae) und der Südkanarenskink (Chalcides viridanus coeruleopunctatus) sowie eine Amphibienart, der Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis), bevölkern den Park.
«Caldera de Taburiente»
Die steile Landschaft mit grossen Höhenunterschieden ist der grösste Anziehungspunkt dieses Nationalparks auf der Kanareninsel La Palma. Hier gibt es Bäche und Wasserfälle. Hervorzuheben sind auch endemische Pflanzenarten wie die Kanarische Kiefer, welche auf der gesamten Insel zu finden ist und zum Teil dichte Wälder bildet. Die «Caldera de Taburiente» ist eine durch Erosion entstandene riesige Senke, die grösste ihrer Art weltweit. Hier sind auch die höchsten Berge der Insel zu finden: Roque de los Muchachos (2426 m), Pico de la Cruz (2351 m), Piedra Llana (2321 m), Pico de la Nieve (2236 m), Punta de los Roques (2085 m) und andere mehr. Von diesen Gipfeln aus fällt das Gelände des Gipfelkraters teilweise in senkrechten Wänden mit fast 800 m Höhe jäh ab, bis es an der tiefsten Stelle eine Meereshöhe von 430 m erreicht. Der maximale Höhenunterschied beträgt dadurch beinahe 2000 m.
Grossartige Meeresreservate
Die Meeresreservate Spaniens sind Unterwassergebiete, die aufgrund ihrer Biodiversität und ihres ökologischen Reichtums unter besonderem Schutz stehen. Sie sind höchst verletzlich und unterliegen deshalb zur Sicherung ihres Fortbestehens einer Reihe von strikten Kontrollen, die unter anderem strenge Restriktionen für Fischer und Taucher umfassen. In einigen dieser Reservate sind trotz allem sportliche Aktivitäten erlaubt, so etwa das Fischen (nur zu ausgewählten Zeiten des Jahres und nur unter Anwendung bestimmter Techniken) oder das Tauchen. Stets sind jedoch spezielle Lizenzen erforderlich.
Die Zahl der Meeresreservate ist gross: Es gibt sie nicht nur im Norden und Süden des Landes, sondern auch auf den Kanarischen Inseln und den Balearen. Die Medesinseln an der Costa Brava in der Provinz Girona sind ein Paradies für Tauchsportbegeisterte. Ebenso interessant sind der Naturpark Cabo de Gata-Níjar in Andalusien und Cabo de Palos-Islas Hormigas an der Küste von Murcia. Das ganzjährig saubere und kristallklare Wasser ist das Habitat Tausender von Arten verschiedener Formen, Grössen und Farben. Korallenriffs, Seesterne, eine beeindruckende Meeresflora und diverse autochthone Fischarten sind nur einige der Sehenswürdigkeiten. Auch an anderen Orten gibt es diese einmalige Unterwasserlandschaft, beispielsweise auf den Columbretes-Inseln bei Castellón oder auf der Tabarca-Insel an der Küste von Alicante, im Reservat von Masía Blanca in Tarragona, auf La Palma, auf der Insel Graciosa im Naturpark Archipiélago Chinijo im Norden von Fuerteventura oder im Reservat Les Freus auf Ibiza und Formentera.
Unberührtes Insel-Ökosystem
Cabrera, ein Archipel bestehend aus der Hauptinsel, sechs kleineren Inseln und zwölf Eilanden, liegt knapp eine Stunde mit dem Schiff von Colónia de Sant Jordi auf Mallorca entfernt. In dieser Gruppe aus Kalkstein-Inseln fällt das Meeres-Ökosystem mit weiten Neptungras-Feldern auf, das einer Vielzahl von Meerestierarten erlaubt, sich hier zu vermehren. Der Meeresgrund zählt zu den besterhaltenen der spanischen Küsten. Darüber hinaus besticht der Park durch einige endemische Pflanzenarten sowie durch grosse Vogelkolonien. Deshalb wurde die Inselgruppe 1991 auch zum Meeresnationalpark erklärt.
Allgemeine Informationen und eine Übersicht über die Biosphärenreservate, National-, Naturparks und Meeresreservate in Spanien findet man unter www.spain.info (Naturräume oder Nationalparks) und unter http://reddeparquesnacionales.mma.es/parques/index.htm
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