Besondere Erlebnisse unter der Erde
Touristisch erschlossene Höhlensysteme findet man in ganz Spanien, vor allem aber im Norden, im «Grünen Spanien». Allein in der «Cordillera Cantabrica», die sich von Asturien im Westen über Kantabrien bis ins Baskenland erstreckt, finden sich 18 prähistorische Höhlen, die aufgrund ihrer Vielfalt und der Malereien, die unsere Vorfahren hier hinterlassen haben, von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben wurden. Doch Spaniens Höhlen sorgen nicht nur für Abenteuer, sondern ebenso für Abkühlung an heissen Sommertagen oder als aussergewöhnliche Unterkunft.
Ausgestattet mit einem speziellen Anzug, festen Stiefeln, Helm, Sicherheitsgurten und Seilen geht es per Lift, begleitet von zwei Führern hinunter in die geheimnisvolle Welt der seit fünf Jahren zugänglichen Höhle von «El Soplao» in der Nähe des Küstenortes San Vicente de la Barquera in Kantabrien. Eine Grubenbahn des ehemaligen Zink- und Eisenbergwerks führt die Besucher in wenigen Minuten 400 Meter ins Berginnere. Zunächst gelangt man in die allen zugängliche, schön beleuchtete «Galeria Gorda», den grössten Raum im 25 Kilometer langen Höhlensystem, in dem sphärenhafte Musik die unwirkliche Szenerie noch unterstreicht. Riesige, aus der Erde wachsende Säulen, glitzernde, wie die Kaskaden eines Wasserfalls aussehende Kristalle aus Aragonit und Kalzit. Stalaktiten und Stalagmiten, Muren, Formationen aus aussergewöhnlicher Kristallisation, «Perlennester», Büschel und
Rosetten rufen Bewunderung hervor. Was die Natur im Lauf der Jahrmillionen geschaffen hat, präsentiert sich heute in grossartiger Schönheit, in allen Formen und Farben, vom silbrigen Weiss, über rosa, rostrot bis lila, von gelblichen bis zu grünen Tönen. Dann geht es weiter hinab, dorthin, wo weder Tageslicht noch elektrische Leuchten die Dunkelheit erhellen. Jetzt heisst es, die Stirnlampen anzuschalten und auf jeden Tritt auf dem glitschigen Gestein zu achten. Kriechen, Schlängeln und Klettern ist hier gefragt. Die undurchdringliche Stille in diesen unterirdischen Sälen und Galerien, durch die sich die kleine Gruppe vorsichtig vorwärts bewegt, wird nur unterbrochen vom unaufhörlichen Klang der Wassertropfen, die von den Decken und Wänden herunterfallen. Eine Szenerie, die ein wenig an einen «Science Fiction»-Film erinnert. Einerseits fasziniert die Entdeckung der herrlichen Formationen und der Wunder, welche die Natur im «Bauch der Erde» über Jahrtausende im Verborgenen schuf, andererseits gibt ein Besuch der Höhlen nicht selten Aufschluss über das Leben unserer frühen Vorfahren. Ein Leben, das sich meist im Schutz der Höhlen abspielte.
«Altamira» - «Sixtinische Kapelle des Quartärs»
Bereits 1985 war die berühmteste der nordspanischen Höhlen, «Altamira» im kantabrischen Santillana del Mar, zum Weltkulturgut der Menschheit erklärt worden. Zum Schutz der Felszeichnungen musste die Höhle allerdings 2002 geschlossen werden. In der originalgetreuen Nachbildung dieser als «Sixtinische Kapelle des Quartärs» bezeichneten Höhle kann man seither die jahrtausendealten Kunstwerke bewundern. Und seit Ende letzten Jahres ist auch die Höhle für Besucher wieder begrenzt zugänglich. Anhand der altsteinzeitlichen Zeichnungen und Malereien von Tieren wie Bisons, Hirschen oder Pferden und Jagdszenen erhält man eine beeindruckende Lehrstunde darüber, wie die Menschen vor weit mehr als 10'000 Jahren lebten. Neben «Altamira» besitzt Kantabrien weitere Höhlen, die grossartige Höhlenmalereien enthalten, wie beispielsweise «El Castillo» in Puente Viesgo. Hier finden sich 275 gemalte Figuren: Bisons, Auerochsen, ein Mammut und Hinweise auf menschliche Figuren.
Eine ähnliche Replik wie «Altamira» in Kantabrien ist auch im Baskenland geplant. Dort beherbergt die Höhle von Ekain mehr als 70 Darstellungen, welche ihre Bewohner vor etwa 14'000 Jahren angefertigt haben. Während das Baskenland daneben noch über zwei weitere Höhlen dieser Art verfügt, gibt es auch in Asturien einige interessante Beispiele zu besichtigen. So sind in der Höhle «Tito Bustillo» in Ribadasella Figuren zu bewundern, die eindeutig Männer und Frauen darstellen.
Die «Santa Cueva» von Covadonga
In Cangas de Onis in Asturien, am Sella-Fluss und nur rund 20 Kilometer vom Meer entfernt, beginnt der Nationalpark «Picos de Europa». Unweit davon befindet sich Covadonga, wo der Legende nach im 8. Jahrhundert ein Adliger namens Don Pelayo in einer Schlacht erstmals die Mauren besiegte und so die «Reconquista», die christliche Wiedereroberung Spaniens einleitete. Dort kann man heute die «Santa Cueva» (Heilige Höhle) mit dem Heiligenbild der «Santina», der Schutzpatronin Asturiens sowie die Basilika und ein Museum besichtigen.
Flüsse und Seen im Untergrund
Es gibt kaum eine Region in Spanien, ob bekannte Küstenregionen oder Gegenden wie den unbekannten Maestrazgo in den Provinzen Castellón und Teruel, die nicht auch eine unterirdische Schatzkammer der Natur bereithält, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden.
Und jede Höhle hat etwas anderes, etwas Besonderes zu bieten. So ist die Höhle «El Tesoro» in Rincón de la Victoria an der Costa del Sol, eine der insgesamt nur drei bisher bekannten Meereshöhlen weltweit. An der Costa del Azahar in der Provinz Castellón schippert man in der «Grotte von San José» in Vall d'Uixó in kleinen Booten über den längsten unterirdischen Fluss Europas und besucht auf diese Weise den Saal der Fledermäuse, den unterirdischen Diana See oder die «Galería de los Sifones», in der eine einzigartige Krebsart lebt. Die Höhle «El Viento» auf Teneriffa schliesslich, zählt mit ihren spektakulären Kaskaden aus Lavagestein und mit einer Länge von 17 km zu den längsten unterirdischen Labyrinthen vulkanischen Ursprungs auf der Welt. Beim Besuch dieser Höhlen entdeckt man zudem oft nicht allzu weit von der Küste entfernt, auch die herrlichen Landschaften, in denen diese Höhlen liegen. So erlebt man beispielsweise bei einem Besuch der «Cueva de las Maravillas» mit ihren erstaunlichen Kristallformationen, die ihr nicht von ungefähr den Namen «Grotte der Wunder» verliehen, die Bergwelt und die kleinen weissen Dörfer des Naturparks der Sierra de Aracena im Hinterland der Costa de la Luz in der andalusischen Provinz Huelva.
Tanz und Musik in der «Unterwelt»
Wohltuende Kühle empfängt die Konzertbesucher nach einem heissen Sommertag an der Costa del Sol. Im Juli verwandelt sich das riesige Höhlensystem der «Cuevas von Nerja» in eine einmalige Konzertbühne für das alljährliche Tanz- und Musikfestival. Die gigantischen Stalagtiten- und Stalagmitenformationen, vor der man die Bühne in einem der unterirdischen Säle aufgebaut hat, sind in sanftes Licht mit einem unvergleichlichen Farbenspiel getaucht. Jedes Jahr bieten hier internationale Künstler der Klassik und des Flamenco für einige Sommerabende unvergessliche Auftritte inmitten dieser unwirklichen Traumwelt tief im Inneren der Erde. Die mehr als 4 km lange Höhle wurde 1959 zufällig von Knaben beim Spielen entdeckt. Heute können rund 1500 Meter davon tagsüber besichtigt werden. Im «Kataklysmus-Saal» staunt man über die immer noch sichtbaren Spuren eines Erdbebens, im «Dolinensaal» gibt es Höhlenmalereien zu bewundern und im sogenannten Geistersaal» geben Symbole und Tierdarstellungen Rätsel auf. Auf eine Grabstätte aus dem Jahr 6300 v. Chr. stösst man schliesslich im «Krippen-Saal». Und wenn man dann am Abend unter den riesigen «Kronleuchtern» der Natur sitzt und der wunderbaren Musik in dieser einmaligen Akustik lauscht, ist das der besondere Abschluss eines sommerlichen Ferientages.
«Coves del Drac» und «Jameos del Agua»
Besonders beeindruckend ist es auch, wenn einem viele Meter unter der Erde ein jadegrüner See oder ein Fluss entgegen schimmern. So wird manch ein Mallorca-Besucher im grössten Höhlensystem der Baleareninsel, den «Coves del Drac», schon einem klassischen Konzert gelauscht haben, das die Musiker in beleuchteten Booten sitzend auf dem unterirdischen Martel-See darbieten.
Auf der Kanareninsel Lanzarote gibt es ein vom Vulkan geschaffenes Höhlensystem, die «Cuevas de los Verdes», in dem ein Rundgang grossartige Farb- und Lichteffekte bietet. Unweit davon liegen die «Jameos del Agua», zwei durch einen Lavakanal verbundene Höhlen, in die durch kreisrunde Öffnungen das Tageslicht fällt. Sie beherbergen unter anderem einen natürlichen See und einen Konzertsaal mit einwandfreier Akustik. Angegliedert ist ein vulkanisches Forschungszentrum, in dem Erdbebemessgeräte zu sehen sind und über Bildschirme Informationen über den Vulkanismus in der ganzen Welt abgerufen werden können. «Grüsse aus dem Innern der Erde» gibt es aber auch im Süden der Insel Lanzarote, in den «Montañas del Fuego» im Nationalpark «Timanfaya». Dort dampft und raucht es aus Erdspalten, Steaks und Poulets werden im Gipfelrestaurant «El Diablo» auf einem Grill nicht etwa über einem Holzkohlenfeuer gebraten, sondern über einem schwarzen Loch - es ist die Erdwärme, die das Fleisch gart. Kaum ein Gast der Insel lässt sich einen Abstecher in die Feuerberge entgehen, denn die vielen Krater inmitten von gigantischen Lavafeldern sind ein Teil der touristischen Attraktionen der Insel.
Wohnen in der Höhle
Wer es ganz speziell mag, findet in Spanien auch Hotelzimmer und Appartements in Höhlen, den sogenannten «Casas cuevas». Bekannt für diese Wohnform ist insbesondere Andalusien mit den «Casas cuevas» von Guadix, rund 60 km von Granada entfernt, und in der Sierra de Cazorla in der Provinz Jaén. In den «Cuevas Pedro Antonio Alar» in Guadix sind die Hotel-Appartements in historischen Höhlenwohnungen in den Tuffsteinhügeln untergebracht. Neben den Appartements befinden sich auch eine Bar, ein Konferenzraum und ein klimatisiertes à-la-Carte-Restaurant an diesem ungewöhnlichen Ort. Gleich elf Höhlenhäuser, die für zwei bis elf Personen Unterkunft bieten, finden sich im Naturpark der Sierra de Cazorla. Sie sind mit einem Salon, Schlafzimmer, Bad (teilweise mit Jacuzzi) und einer Küche ausgestattet.
Mehr Informationen im Internet
www.cuevasturisticas.com
www.cuevasdecantabria.es
www.elsoplao.es
www.casascuevacazorla.com
www.turgranada.es
www.visitaguadix.com







