Mittelmeerinseln, die nur wenige kennen
Wenn von den spanischen Mittelmeerinseln die Rede ist, denkt man automatisch an Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera. Doch es gibt noch eine Reihe weiterer Eilande, die zwar kaum oder gar nicht besiedelt, aber für Tagesausflüge äusserst reizvoll sind.
Gemeinsam ist diesen Inseln ausserdem, dass sie (mit einer Ausnahme) nur wenige hundert Meter von der Festlandküste oder der Küste Mallorcas entfernt sind, im Mittelalter als Unterschlupf für Piraten dienten, heute unter Naturschutz stehen und meist auch ein Meeresreservat dazu gehört. Die Rede ist hier von den Inseln Tabarca, Columbretes, La Dragonera, Cabrera und Medes.
Tabarca - Spaniens erstes Meeresreservat
Etwa drei Seemeilen vor der Küste der Costa Blanca und nur eine kurze Bootsfahrt von Alicante oder Santa Pola entfernt, liegt die kleine Insel Tabarca. Sie steht seit mehr als 40 Jahren unter Denkmalschutz und im vergangenen April waren es 25 Jahre her, seit hier das erste Meeresreservat Spaniens errichtet wurde. A propos «reservas marinas»: Im Mittelmeer ist Spanien derzeit das Land mit den meisten Meeresreservaten. Mit dem Cabo de Gata-Níjar bei Almería, dem Cabo de Palos bei Cartagena, dem Cabo de San Antonio bei Jávea, den Columbretes vor der Küste Castellóns und Masía Blanca bei Tarragona, den Islas Medas und Cap de Creus vor der Costa Brava in Katalonien besteht heute alle 80 bis 150 Kilometer ein solches.
Doch zurück zu Tabarca. In der Hochsaison im Sommer ist der Ansturm gross, im Frühjahr und Herbst ist die Insel ein Juwel. Wer im kleinen, von Mauern geschützten Hafen der Insel ankommt und nicht sogleich zu einer Fischtaverne steuert, kann eine Insel von etwa 600 Metern Breite und 1800 Metern Längen erkunden.
Einen Besuch wert ist die Grotte des «Llop Mari» und der ehemalige Wehrturm San José. Etwas weiter ist es bis zum Leuchtturm der Insel, beeindruckend ein Spaziergang durch die Gassen mit den weiss gekalkten Häusern im Küstenort, die allesamt auf den Dorfplatz münden. Beliebt ist die Insel natürlich auch bei Schnorchlern und Tauchern. In der «reserva marina» vor der Küste ist das Wasser besonders klar und voller Fische.
Noch etwas zur Geschichte der Insel: die Römer nannten sie «Planesia», die Mauren gaben ihr den Namen «Blanasiya», die Christen zuerst «San Pablo» und dann «La Plana» (die Flache) und im 18. Jahrhundert erhielt sie dann zu Ehren des spanischen Königs den Namen «San Carlos», später dann «Nueva Tabarca». www.alicanteturismo.com
Vulkanischen Ursprungs: die Columbretes
56 Kilometer südlich von Oropesa del Mar in der Provinz Castellón liegt im Mittelmeer die vor rund zehn Millionen Jahren durch gewaltige Vulkanausbrüche entstandene Inselgruppe der «Columbretes». Ihren Namen erhielten die Inseln von griechischen und römischen Seefahrern, die sie in ihren Seekarten festhielten. Jahrhundertelang dienten auch sie als Unterschlupf für Piraten und Schmuggler, bewohnt waren sie bis ins 19. Jahrhundert zudem vor allem von zahlreichen Schlangen.
Heute ist die Inselgruppe Naturpark und Meeresreservat in einem. Die Hauptinsel, «La Grande» oder «La Grossa» genannt, ist 800 m lang und 200 m breit und von allen die einzige, die betreten werden darf. Sie hat die Form eines Halbmonds, es gibt eine unscheinbare Wetterstation und eine bescheidene Unterkunft für deren Mitarbeiter und Meeresbiologen. Ein Leuchtturm, ein kleiner Friedhof und eine Statue der «Virgen del Carmen», der Schutzpatronin der Fischer, befinden sich in Gebieten, die nicht betreten werden dürfen. Einzigartig machen die Columbretes der 19 Hektar grosse Naturpark mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten sowie das Meeresreservat mit seiner grossartigen Unterwasserwelt. Das Ausflugsschiff, das vom Hafen von Peñiscola aus in etwa zweieinhalb Stunden herüberfährt, ankert etwa 200 Meter Entfernung von der Hauptinsel an einer Boje, das letzte Stück der Überfahrt zur Insel wird mit einem kleinen Schlauchboot zurückgelegt. Im Gepäck haben die Besucher nicht nur Badeanzig, Schnorchel und Taucherausrüstung, sondern auch Proviant für einen Tag, der allerdings nur an Bord des Schiffes verzehr werden darf, nicht auf der Insel. Beschränkt ist auch die Besucherzahl: pro Tag dürfen maximal 70 Personen die Insel betreten. Die meisten Besucher, welche einen Tagesausflug zu den Columbretes-Inseln unternehmen, tun dies allerdings weniger, um die Insel zu erkunden. Der Höhepunkt eines Ausflugs zu diesem besonderen Archipel ist ein Schnorchel- oder Tauchgang im glasklaren Wasser. Das bis zu 45 Meter tiefe Hafenbecken der Insel «La Grossa» liegt in einem Krater und bietet eine einzigartige Unterwasserwelt, die jeweils im frühjahr noch aufgewertet wird, wenn dort die Wale vorüberziehen. Informationen über die Inselgruppe unter www.castellonturismo.com
La Dragonera: Besuch bei den Drachen
Auf La Dragonera, der kleinen Insel vor der Südwestküste Mallorcas, sind die Drachen recht klein, sie messen gerade mal zehn Zentimeter. Mutig, flink und listig sind sie aber, diese kleinen, nur hier vorkommenden Echsen, welche die Touristen auch ab und zu mal in die Hand beissen, wenn sie nichts zum Fressen mitbringen. Viele Touristen nehmen an, der Name der 1995 zum Naturpark erklärten Insel gehe auf diese Echsen zurück. Vom Hafen von Sant Elm in der Gemeinde Andratx aus, wo das Fährschiff zur 800 Meter entfernten Insel ablegt, bietet die Insel im Längsschnitt denn auch tatsächlich den Anblick eines Drachens: im Südwesten, beim «Cap des Lleibeig» befindet sich der Kopf, dann folgt der Rücken mit dem alten Leuchtturm «Far Vell» als höchster Schuppe und schliesslich der sanft auslaufende Schwanz bis «Cap de Tramuntana» im Nordosten.
La Dragonera (oder Sa Dragonera wie sie die Mallorquiner nennen) ist 4,2 Kilometer lang, 900 Meter breit und bis zu 353 Meter hoch. Die Bootsfahrt von Sant Elm in die «Räuberbucht» (Cala Lladó), wo schon vor Jahrhunderten Piraten und Schmuggler anlegten, um sich und ihr Diebesgut zu verstecken, dauert rund 15 Minuten. Von dort aus führt ein schöner, gut ausgebauter Wanderweg zum Leuchtturm an der «Cala Lleibeig». Unterwegs begleitet der Duft von Rosmarin die Wanderer und immer wieder bieten sich herrliche Ausblicke auf die Steilküste Mallorcas bei Andratx. Kurz vor dem Leuchtturm erreicht man einen alten Wachtturm mit einer Kanone, mit der die Mallorquiner die Seeräuber von der Insel fernzuhalten versuchten.
Gefahr drohte dem Naturschutzgebiet 1997, als geplant war, die Insel zu verkaufen und in ein Ferien-Resort mit Appartements, Jachthafen, Helikopterlandeplatz, Casino und weiterer Infrastruktur zu verwandeln, was schliesslich aber abgewendet werden konnte. Heute befindet sich unmittelbar am Naturhafen in der Räuberbucht, wo die Boote aus Sant Elm und auch aus Puerto de Andratx anlegen, eine kleine Rangerstation, von der aus geführte Touren über die Insel angeboten werden. Sie kann allerdings auch auf eigene Faust erkundet werden. Da es auf der Insel weder Restaurants, Bars oder Geschäfte gibt, muss man Essen und Getränke selber mitnehmen. Informationen: www.conselldemallorca.net und www.illesbalears.es
Cabrera - die «Ziegeninsel»
Zirka 12 Kilometer südlich von dem bei Schweizer Gästen äusserst beliebten Badeort Colònia de Sant Jordi im Südosten Mallorcas entfernt liegt ein kleiner Archipel, der neben der Insel Cabrera zehn weitere Eilande umfasst und 1991 einschliesslich des umliegenden Meeresgebiets zum Nationalpark erklärt wurde. Die Überfahrt nach Cabrera dauert von Colònia de Sant Jordi aus rund 30 Minuten, von Porto Petro aus etwa 75 Minuten. Gefahren wird, wenn Witterung und Seegang es erlauben, täglich. Um zu verhindern, dass der Meeresboden im Naturschutzgebiet zu stark in Mitleidenschaft gezogen wird, ist das Ankern mit privaten Booten verboten, zudem ist der Zutritt pro Tag limitiert. In Es Port, einem kleinen Ort auf der Insel, gibt es eine kleine Bar mit Snacks und Getränken.
Auf der Insel findet man zahlreiche seltene Seevögel wie Fischadler, Seefalken und Sturmschwalben, unter wasser findet man unter anderem Meerschildkröten und Wale. Um den Besuchern die Tier- und Pflanzenwelt der Insel noch näher zu bringen, wurde zudem 2008 in Colònia de Sant Jordi ein Besucherzentrum des Nationalkparks Cabrera eröffnet. Eine zusätzliche Sehenswürdigkeit ist die «Cova Blava» («Blaue Grotte»), eine 160 Meter lange und 50 Meter breite Höhle an der Cala Gandulf, die nur vom Meer her zugänglich ist und von den Ausflugsbooten bei der Rückkehr von der Insel regelmässig angefahren wird. Reflexionen auf dem sandigen Grund bewirken, dass die ganze Höhle in blaues Licht getaucht wird. Informationen: www.cabrera.islasbaleares.com
Illes Medes - Tauchparadies an der Costa Brava
Wer an der Costa Brava das Fischerdorf L'Estartit in der Baix Empordà besucht, sollte es nicht versäumen, mit einem Glasbodenboot eine Fahrt auf die Illes Medes (spanisch: Islas Medas) zu unternehmen. Es ist eine Gruppe von sieben unbewohnten Inseln, etwa einen Kilometer vor der Küste von L'Estartit, der Zutritt ist unter fachkundiger Führung erlaubt. Auf der Hauptinsel «Meda Gran» gab es im 15. Jahrhundert eine von Rittern bewohnte Festungsanlage,. Nach deren Weggang verwandelte sich die Insel in ein Piratennest, im 18. Jahrhundert diente sie als Gefängnis und im 19. Jahrhundert entstand eine kleine Garnison zur Küstenverteidigung. Der Leuchtturm auf «Meda Gran» besteht seit 1866, heute wird er mit einer Solaranlage betrieben.
Das Gebiet rund um die Inseln ist seit 1990 ein streng geschütztes Meeresreservat, das für seine Vielfalt an Fischen und Krustentieren bekannt ist. Vor allem Zackenbarsche, Adlerrochen, Muränen und Tintenfische sind in grosser Zahl vertreten. Auch die Unterwasserflora der Inselgruppe mit ihren Unterwasserhöhlen wird von Sporttauchern im Mittelmeer als unvergleichlich bezeichnet. So verwundert es nicht, dass sich der Tauchbetrieb zu einem wesentlichen Tourismusfaktor entwickelt hat. Rund ein Dutzend Tauchschulen bieten von L'Estartit aus Exkursionen zu den Inseln an. Ein besonderer Anziehungspunkt ist dabei die sogenannte «Delphin-Höhle», die nur durch einen 25 Meter unter der Meeresoberfläche liegenden Eingang erreichbar ist. Zudem gibt es auf den Inseln zahlreiche Wasservögel wie Silbermöwen, Kormorane, Sturmschwalben, Seiden- und Kuhreiher. www.baixemporda-costabrava.org - www.visitestartit.com
Detailinformationen und Broschüren:
Spanisches Fremdenverkehrsamt
Seefeldstrasse 19
8008 Zürich
Tel. 044 253 60 50
zurich@tourspain.es
www.spanieninfo.ch