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Wo die Wale und Delfine ziehen

In Spanien gibt es verschiedene Gebiete, die sich hervorragend für die Beobachtung von Walen und Delfinen eignen. Hervorzuheben sind die Gegend um Tarifa in der Provinz Cádiz sowie die Kanarischen Inseln mit Teneriffa, Gran Canaria und La Gomera.

In der Strasse von Gibraltar, die das Mittelmeer mit dem Atlantischen Ozean verbindet, tummeln sich Meeressäuger in einer Fülle wie sonst nirgends in Südeuropa. Das gilt sowohl für die Anzahl Tiere als auch für den Artenreichtum. Hier kreuzen sich Wanderrouten von Wal- und Delfinpopulationen und zudem bietet die Meerenge den Meeressäugern einen reich gedeckten Tisch, denn aufgrund nährstoffreicher Strömungen ist das Wasser hier voller Plankton. So erstaunt es nicht, dass dort besonders viele Tiere zu finden sind, sowohl standortgebundene als auch solche, die auf ihrer Wanderschaft das Gebiet nur kurzzeitig besuchen und dann in andere Gewässer weiterziehen.
Seit 2004 ist das andalusische Umweltministerium um den Schutz der Wale und Delfine bemüht, ein Jahr später wurde mit Beobachtungsflügen begonnen, um die Tiere genauer lokalisieren zu können, und seit 2007 steht ausserdem eine Flotte von Schiffen zur Verfügung. Vor allem die Beobachtung aus der Luft erlaubt es, Populationsgrössen und Wanderrouten der verschiedenen Arten genauer zu erforschen. So konnte vor zwei Jahren 90 Kilometer vor der Küste Almerías eine Gruppe von Orcas geortet werden, die sich zuvor noch nie dort aufgehalten hatte. Vor der Küste von Cádiz wurden zudem Buckelwale beobachtet, vereinzelt auch Pilotwale, Blainville-Schnabelwale, kleine Schwertwale und kleine Pottwale – allesamt Spezies, die von internationalen Organisationen als bedroht eingestuft werden. Das Ministerium arbeitet zudem mit Tierärzten zusammen, die sich unter anderem um die Versorgung gestrandeter Wale und Delfine kümmern.

Besserer Schutz durch Reservate
Um diesen Artenreichtum erhalten zu können, empfiehlt beispielsweise die 1998 in Tarifa gegründete Schweizer Stiftung «Firmm» (foundation for information and research on marine mammals) den verstärkten Schutz der Gewässer, was allerdings gerade in der Meerenge von Gibraltar, wo sich der Schiffsverkehr konzentriert, kein einfaches Vorhaben ist. Nach Angaben der Stiftung passieren jeden Tag rund 300 Frachter die Strasse von Gibraltar, Fischerei-, Kreuzfahrt- und Fährschiffe nicht mitgerechnet. Eine zusätzliche Bedrohung stellen daneben laut Katharina Heyer, Gründerin und Präsidentin der Stiftung «Firmm» der Erdölumschlagplatz Algeciras mit seinen Raffinerien, der Fischfang und die hohe Geschwindigkeit der Schnellfähren dar.
Angesichts dieser Tatsachen mehren sich in letzter Zeit die Stimmen, welche Schutzzonen fordern. Solche Reservate seien ausserordentlich wichtig, wenn man die bedrohten Spezies wirksam schützen wolle, betont auch Juan Martín Jaime, Präsident des Meeresforschungszentrums «Aula del Mar» mit Sitz in Málaga. Aus diesem Grund haben die Spanische Gesellschaft für Wale (Sec) sowie die Internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society) die Errichtung von drei Schutzgebieten in der Strasse von Gibraltar beantragt. Geschützt werden sollen zudem die Gewässer rund um die Alborán-Insel und den unterhalb der Meeresoberfläche liegenden Berg El Seco de los Olivos vor der Küste Almerías. All diese Zonen bieten einen grossen Artenreichtum an Fischen, Krustentieren, Korallen, Weichtieren und Pflanzen und sind deshalb bevorzugte Reviere von Walen und Delfinen.

Bis solche Forderungen jedoch in die Tat umgesetzt werden, ist Geduld angesagt. Derweil versuchen die Tierschutzorganisationen ein möglichst breites Publikum für ihre Anliegen zu sensibilisieren. Bei «Firmm» arbeiten neben Wissenschaftern auch Freiwillige aus verschiedenen Ländern (darunter auch aus der Schweiz). Einen Grossteil der Aufklärungsarbeit leisten die von der Stiftung von April bis Oktober organisierten und begleiteten Bootstouren und ein- bis zweiwöchigen Kurse in Tarifa, welche die Teilnehmer direkt zu den Walen und Delfinen führen. Im Winter geht «Firmm» zudem an Schulen und klärt dort die Schüler über den Tierschutz auf. «Aula del Mar» bietet seit 20 Jahren eine Kombination aus Aquarium und Museum, dazu kommen Vorträge, Wanderausstellungen und Informationstage. In einem eigenen Zentrum werden verletzte oder gestrandete Wale und Delfine gepflegt und danach wieder in die Freiheit entlassen. Weitere Informationen: www.firmm.org
Angebote für Wal- und Delfinbeobachtung gibt es in Andalusien auch in den Wassersportstationen «Costa Tropical», welche sich über die Küste der Provinz Granada verteilen.

27 Wal- und Delfinarten vor den Kanaren
Im Bereich der Kanarischen Inseln konnten 27 verschiedene Wal- und Delfinarten nachgewiesen werden, erstaunlich viele im Vergleich zu anderen Gegenden. Dies ist dadurch zu erklären, dass die Inseln einen Schnittpunkt zwischen dem kalten, dem gemässigten und dem tropischen Verbreitungsgebiet der einzelnen Spezies darstellen. Einige Arten durchstreifen die Kanaren auf ihren Weg in andere Regionen, andere sind ortsansässig (Grosser Tümmler, Pilotwal). Die Kanarische Organisation «Tenerife Conservatión» beschäftigt sich mit der Erforschung der Meeressäuger. Nähere Informationen sind auf der Webseite www.canariasconservacion.org zu finden.
Insbesondere im Süden Teneriffas (Los Cristianos, Los Gigantes) werden Wal- und Delfinsafaris angeboten.

Auf Teneriffas Nachbarinsel La Gomera betreibt der gemeinnützige Verein «M.E.E.R.» ein Modellprojekt zur Kooperation zwischen Reiseunternehmen und Schutzorganisationen. Die Whale-Watching-Touren erfüllen hier wichtige Anforderungen an schonendes «Whale Watching», denn sie sind mit solider Aufklärungsarbeit, wissenschaftlichen Studien und fachlich fundierten Studienreisen verknüpft. Auf den Ausfahrten werden die kleinen Gruppen jeweils von einem Biologen begleitet. Die Ausfahrten aufs Meer dauern in der Regel drei bis vier Stunden. Auf dem Meer sind aber nicht nur Delfine und Wale, sondern auch verschiedene Vogelarten, wie Gelbschnabelsturmtaucher, Sturmvögel, Sturmschwalben sowie Seeschwalben und Weisskopfmöwen anzutreffen. Gelegentlich finden sich auch Meeresschildkröten. www.oceano-gomera.com

In Puerto de Mogán, im Südwesten der Insel Gran Canaria, befindet sich eine Wassersportstation, die ganzjährig geöffnet ist. Die mittlere Wassertemperatur an der Küste (zwischen 18 und 22 Grad) und die optimalen Windverhältnisse sind ideal zum Segeln, Tauchen und insbesondere auch für die Walbeobachtung. Mogán verfügt zudem über eine Segelschule. www.mogan.es

Bruno Bernhard / www.spain.info/ch